Küchenschrank-Maße: Tiefe, Höhe und Arbeitshöhe richtig planen
Korpushöhen und Tiefen von IKEA, nobilia, Häcker und Schüller im Vergleich, die Formel für die Arbeitshöhe, Abstände zu Oberschrank und Dunstabzug, Nischenmaße für Geräte.
Küchenmaße wirken genormt, sind es aber nur zum Teil. Jeder Hersteller hat sein eigenes Höhenraster, und wer Schränke später nachkaufen will, merkt schnell, dass 60 cm nicht überall 60 cm bedeuten. Dieser Ratgeber sammelt die Maße, die Hersteller selbst veröffentlichen, dazu die Abstände, die beim Planen wirklich zählen, und zeigt, wo die Zahlen auseinandergehen.
Die wichtigsten Küchenmaße auf einen Blick
Quellen: schueller.de, top-shelf.de (nobilia-Fachhändler), ikea.com, kuechen-atlas.de (Häcker), hea.de, kuechen-fachwelt.de, abgerufen am 22.09.2026.
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Unterschränke: Höhe und Tiefe je Hersteller
Der Korpus ist das Maß, an dem alles hängt. Die Hersteller unterscheiden sich hier deutlich:
Quellen: ikea.com, top-shelf.de für nobilia, kuechen-atlas.de und Fachhändlerangaben für Häcker, schueller.de, poco.de (Stand 2026). Bei Häcker nennen verschiedene Quellen 71,5 und 72,1 cm; das liegt an unterschiedlichen Produktlinien. Wir haben beide Werte stehen lassen, statt sie zu glätten.
Welche Raster die Händler führen, steht auf den Markenseiten zu OTTO und OBI.
Warum es keine einheitliche Höhe gibt
Die Vielfalt hat einen praktischen Grund: Menschen sind unterschiedlich groß, und eine Küche wird zwanzig Jahre genutzt. Ein 72er-Korpus mit hohem Sockel ergibt dieselbe Arbeitshöhe wie ein 84,5er mit flachem Sockel, verteilt den Stauraum aber anders. In der Praxis entscheidet deshalb nicht die Korpushöhe, sondern wie viele Auszüge auf welcher Höhe liegen. Fragen Sie im Studio nach der Zahl der Auszüge je Schrank, nicht nach Zentimetern.
Schrankbreiten: das gängige Raster
Bei den Breiten sind sich die Anbieter näher. Roller nennt für Unterschränke die Breiten 30, 40, 50, 60 und 80 cm, IKEA führt METOD-Unterschränke in 20, 30, 40, 60 und 80 cm, dazu Eckschränke mit 88 und 128 cm. Fachhersteller bieten feinere Raster an, etwa in 15-cm-Schritten, was bei schmalen Räumen entscheidend ist. In der Praxis lohnt es sich, den Plan mit zwei Rastern durchzurechnen, bevor Sie sich für einen Hersteller entscheiden (Stand 2026).
Systemmaß und echtes Maß sind nicht dasselbe
IKEA gibt bei METOD-Schränken zwei Werte an: das Systemmaß und die tatsächliche Abmessung. Bei einem Unterschrank mit 60 cm Systemtiefe steht in den Daten „Tiefe ohne Aufhängeschiene: 59.0 cm" und „Tiefe inkl. Aufhängeschiene: 60.0 cm". Im Küchen-Forum weist ein Nutzer genau darauf hin: Auf der Website stünden „immer die echten sowie die Systemmaße".
Arbeitshöhe: die Formel und die Ellenbogenregel
Die Arbeitshöhe steht nicht im Katalog, sie entsteht beim Zusammenbau. Schüller formuliert es als Rechnung: „STÄRKE DER ARBEITSPLATTE + KORPUSHÖHE + SOCKELHÖHE = ARBEITSHÖHE". Genau deshalb bieten Hersteller mehrere Sockelhöhen an, bei nobilia sind es 70, 100, 150 und 200 mm, dazu Adapter im 10-mm-Raster.
Welche Höhe die richtige ist, hängt an Ihrer Körpergröße. Die Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche schreibt: „Die richtige Arbeitshöhe liegt 10 bis 15 cm unterhalb der Ellenbogenhöhe." Gemessen wird im Stehen am angewinkelten Ellenbogen.
Der Sockel ist die Stellschraube
Der Sockel wirkt wie ein Detail, entscheidet aber über die fertige Höhe. nobilia bietet 70, 100, 150 und 200 mm an, dazu Adapter in 10-mm-Schritten. Damit lässt sich dieselbe Küche auf mehrere Arbeitshöhen bringen, ohne den Korpus zu wechseln. In der Praxis heißt das: Wenn die gewünschte Höhe knapp zwischen zwei Korpusgrößen liegt, löst der Sockel das Problem. Zu hohe Sockel kosten allerdings Stauraum im untersten Auszug, und ein sehr flacher Sockel macht das Putzen darunter schwerer.
Eine Norm gibt es auch: DIN 68930 trägt den Titel „Küchenmöbel – Anforderungen, Prüfungen". Die aktuelle Fassung ist kostenpflichtig und nicht frei einsehbar, deshalb nennen wir hier bewusst keine Zahlen aus der Norm. Die häufig zitierte Vorstellung, sie schreibe ein 60-cm-Raster vor, lässt sich aus den zugänglichen Quellen nicht belegen.
Oberschränke: Tiefe und Abstand zur Arbeitsplatte
Oberschränke sind flacher als Unterschränke, damit man an der Arbeitsplatte stehen kann, ohne anzustoßen. Schüller nennt 35 cm als Standardtiefe und bietet in ausgewählten Höhen und Breiten 56 cm an, also volle Unterschranktiefe für mehr Stauraum.
Beim Abstand zur Arbeitsplatte gibt es keine Herstellervorgabe, sondern Gewohnheit. In einem Thread auf energiesparhaus.at nennt ein Nutzer den üblichen Wert:
50 cm sind seit Jahren der Standard. Man kann natürlich höher hängen - es sind ja nicht alle gleich groß.
Wer tiefe Oberschränke hat, braucht mehr Luft. Eine Nutzerin im selben Thread berichtet von 90 cm Abstand bei 60 cm tiefen Hängeschränken, weil dort nur selten Gebrauchtes lagert. Und wie teuer ein falscher Abstand wird, zeigt dieser Bericht:
Ich habe bei einer 92cm hohen küche 60cm abstand gelassen. dann alle oberschränke inkl. montageschiene nochmals 10cm runter gesetzt, löcher gespachtelt, geschliffen und gemalen.
In der Praxis gilt: Je tiefer der Oberschrank und je kleiner die Person, desto größer muss der Abstand sein. Schauen Sie sich im Studio an, ob Sie die oberste Ablage noch erreichen, ohne auf die Zehenspitzen zu gehen.
Tiefe Oberschränke: mehr Stauraum, andere Optik
Die 56-cm-Variante fasst spürbar mehr, wirkt aber massiver und verschattet die Arbeitsfläche. Wer sie plant, sollte die Beleuchtung unter dem Schrank gleich mitdenken und den Abstand zur Arbeitsplatte großzügiger wählen. Für kleine Küchen ist die flache Variante mit 35 cm meist die bessere Wahl, weil der Raum offener bleibt.
Dunstabzug: Mindestabstand über dem Kochfeld
Hier geht es um Sicherheit, nicht um Bequemlichkeit. Der Fachverband HEA nennt als übliche Spanne „zwischen 45 und 65 cm", abhängig von Kochfeld, Haube und Herstellerangaben. Heruntergezogene Hauben lassen sich teils auf 30 cm reduzieren, dürfen laut HEA aber „nicht über Gaskochstellen verwendet werden". Maßgeblich ist immer die Montageanweisung des Geräteherstellers.
Gangbreiten und Bewegungsflächen
Die Maße zwischen den Möbeln entscheiden darüber, ob eine Küche im Alltag funktioniert. Das Fachportal Küchen-Fachwelt nennt folgende Werte:
- Zwischen zwei Küchenzeilen: mindestens 120 cm, optimal 140 cm, absolute Untergrenze 90 cm
- Vor dem Backofen: mindestens 120 cm, besser 140 cm
- Vor Geschirrspüler und Kühlschrank: mindestens 100 cm
- Vor dem Kochfeld: mindestens 120 cm
- Hauptdurchgang: mindestens 90 cm
- Barrierefrei nach DIN 18040: 150 cm Wendefläche
In der Praxis ist der kritische Punkt nicht die Zeile, sondern die geöffnete Tür. Ein Geschirrspüler mit offener Klappe ragt rund 60 cm in den Raum, ein Backofen ähnlich weit. Wer mit 100 cm Gang plant, kann dahinter nicht mehr vorbeigehen, solange das Gerät offen steht. Welche Grundrissform in Ihren Raum passt, zeigt der Ratgeber Küchengrundriss planen.
Nischenmaße für Einbaugeräte
Geräte bestimmen die Schrankmaße, nicht umgekehrt. Die wichtigsten Werte:
Beachten Sie bei Kühlgeräten die Rundung: Ein Gerät der 122er-Kategorie hat eine reale Bauhöhe von 121,3 cm, ein „Plus"-Modell 139,5 cm. Die Nische ist also immer etwas größer als das Gerät, und der Hersteller gibt den Toleranzbereich vor.
Einzelne Küchenschränke nachkaufen
Ein Schrank fehlt, die Küche soll wachsen, oder ein Element ist beschädigt: Nicht jeder Hersteller verkauft einzeln. Diese Preise haben wir am 22.09.2026 gefunden:
Quellen: ikea.com, ok-kitchen.de, kaufland.de, poco.de. Bei Markenküchen aus dem Fachhandel läuft der Nachkauf dagegen über den Händler, und nur solange das Programm lieferbar ist. Deshalb lohnt es sich, gleich beim Kauf zu fragen, wie lange die Serie geführt wird. Was das beim Kauf einer Ausstellungsküche bedeutet, steht im Ratgeber Ausstellungsküche kaufen.
Checkliste: Diese Maße brauchen Sie vor dem Planungstermin
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In der Praxis sparen diese acht Punkte den zweiten Termin. Mit diesen Angaben lässt sich jede Planung starten, auch in einem Online-Werkzeug. Welche Planer etwas taugen, steht im Ratgeber Küchenplaner online, den kompletten Ablauf beschreibt die Küchenplanung in 8 Schritten.
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Auch passend: Küchen mit Insel (226)
Die häufigsten Maßfehler
Wir haben Forenfälle und Herstellerangaben ausgewertet. Daraus ergeben sich fünf Fehler, die immer wieder auftreten. Sie sind zugleich die größten Schwächen einer Planung, die nur am Bildschirm entsteht:
- Sockel vergessen: Wer nur die Korpushöhe rechnet, landet 7 bis 20 cm zu tief. Die Arbeitshöhe ist die Summe aus drei Teilen.
- Oberschrank zu hoch gehängt: Ein Nachteil, der erst im Alltag auffällt, wenn das oberste Fach unerreichbar bleibt. Nachträgliches Umhängen bedeutet Löcher spachteln und streichen.
- Geräteklappe ignoriert: Backofen und Geschirrspüler ragen geöffnet rund 60 cm in den Raum. Bei 100 cm Gang steht man dann fest.
- Übertiefe angenommen: Nicht jede Korpushöhe gibt es in jeder Tiefe. Wer 66 cm plant, sollte prüfen, ob die gewünschte Höhe das überhaupt hergibt.
- Fensterbank übersehen: Eine niedrige Brüstung begrenzt Arbeitsplatte und Rückwand, oft erst beim Aufmaß bemerkt.
Achten Sie auf diese fünf Punkte, bevor Sie ein Angebot unterschreiben. Sie kosten später am meisten Geld, weil sie sich nur mit neuen Teilen beheben lassen (Stand 2026).
Warum die Maße zwischen Herstellern nicht passen
Wer eine nobilia-Küche mit einem IKEA-Schrank ergänzen will, merkt es sofort: 72 cm Korpushöhe treffen auf 80 cm, 56,1 cm Tiefe auf 60 cm. Selbst innerhalb eines Herstellers gibt es mehrere Systeme, bei Schüller etwa 71,5, 78 und 84,5 cm.
Dazu kommt, dass ein hoher Korpus nicht automatisch mehr Stauraum bedeutet. Im Küchen-Forum beschreibt ein Käufer, dass beim 84,5-cm-Korpus seines Herstellers die Übertiefe von 66 cm entfällt und bei jedem mittleren Auszug rund 20 mm Nutzhöhe verloren gehen. Ein Fachhändler riet ihm dort zum 78er-Korpus mit feinerem Raster. In der Praxis heißt das: Ziehen Sie die Auszüge im Studio komplett heraus und lassen Sie sich die Nutzhöhe zeigen, nicht nur die Korpushöhe.
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Häufige Fragen zu Küchenschrank-Maßen
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